Psychische Krankheiten besser diagnostizieren

24. November 2025

Wie können verschiedene verwandte psychische Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sicher voneinander unterschieden werden? Im Rahmen einer deutsch-chinesischen Kooperation haben das Forschungszentrums Jülich sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) einen Unterscheidungsbaum für eine sicherere Diagnostik mitentwickelt. Sie nutzten dazu verschiedene diagnostische Techniken und Künstliche Intelligenz (KI). Die Ergebnisse helfen, Diagnosen erheblich präziser zu erstellen, wie die Autor:innen in der Fachzeitschrift Science Advances beschreiben.

Psychische Krankheiten besser diagnostizieren
Prof. Dr. Sarah Genon und Prof. Dr. Simon Eickhoff untersuchten zusammen mit Forschenden aus China nach objektiven, messbaren Gehirnmerkmalen, mit denen psychische Erkrankungen besser voneinander abgegrenzt werden können. (Fotos: Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau)

Menschen mit Schizophrenie, bipolarer Störung mit psychotischen Symptomen oder schizoaffektiver Störung zeigen teilweise sehr ähnliche Anzeichen: Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Stimmungsschwankungen oder Realitätsverlust. Trotzdem handelt es sich um unterschiedliche Erkrankungen, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen.

Das Forschungsteam fand nun heraus, was genau die Krankheitsbilder im Gehirn unterscheidet, welche Gemeinsamkeiten bestehen und anhand welcher objektiver Merkmale im Gehirn die Krankheiten eindeutig diagnostiziert und die Schwere der Erkrankung eingeschätzt werden können. Beteiligt waren Prof. Dr. Sarah Genon und Prof. Dr. Simon Eickhoff vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin – Gehirn und Verhalten (INM-7) am Forschungszentrum Jülich sowie weitere Mitarbeitende des Instituts.

Prof. Dr. Simon Eickhoff, Direktor am INM-7: „Wir identifizierten objektive, messbare Gehirnmerkmale, mit denen psychische Erkrankungen besser voneinander abgegrenzt werden können. Dies kann ein wichtiger Schritt sein, um Diagnosen präziser und schneller stellen zu können und Betroffene zielgerichtet zu behandeln.“

Prof. Dr. Sarah Genon, Koautorin der Studie, ergänzt: „Darüber hinaus verdeutlicht die Studie, dass KI und neurobiologische Daten gemeinsam helfen können, die komplexen Unterschiede zwischen psychischen Erkrankungen besser zu verstehen.“

Weitere Informationen zu den Ergebnissen finden Sie in der Pressemitteilung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Unterscheidung der Krankheiten

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der Wahrnehmung und Denken aus dem Gleichgewicht geraten. Typisch sind Symptome wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Denkstörungen oder ein starker Rückzug aus dem sozialen Leben.

Bei bipolaren Störungen mit psychotischen Symptomen wechseln sich Phasen ungewöhnlich gehobener Stimmung (Manie) und tiefer Depression ab. In besonders ausgeprägten Phasen können psychotische Symptome auftreten, etwa verzerrte Wahrnehmungen oder starke Realitätsverluste, die meist an die jeweilige Stimmungslage gebunden sind.

Die schizoaffektive Störung verbindet Merkmale der Schizophrenie mit deutlichen Stimmungsstörungen. Betroffene erleben gleichzeitig oder kurz nacheinander psychotische Symptome und depressive oder manische Episoden, was die Diagnose oft besonders schwierig macht.

Originalpublikation

Fali Li, Guangying Wang, Sarah Genon, Simon B. Eickhoff, Runyang He, Chanlin Yi, Debo Dong, Dezhong Yao, Lin Jiang, Wei Wu, Peng Xu; Mapping neurophysiological and molecular profiles of heterogeneity and homogeneity in schizophrenia-bipolar disorder; Science Advances 11, eadz0389 (2025). DOI: 10.1126/sciadv.adz0389

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    Letzte Änderung: 24.11.2025