Neuromorphes Computing
Computer nach dem Vorbild des Gehirns haben das Potential, wesentlich energieeffizienter als konventionelle Rechner zu arbeiten. Wir entwickeln Bauteile und Softwarekonzepte für solche sogenannten neuromorphen Systeme.
13. Juli 2026
Europa verfügt über starke Forschung im neuromorphen Computing, doch bislang fehlte es an enger Koordination. Mit der COST-Action EuroNMC soll sich das ändern. Die vom Forschungszentrum Jülich maßgeblich angestoßene Initiative bringt Akteure entlang der Technologie- und Innovationskette zusammen.

Große KI-Modelle benötigen enorme Rechenleistung, spezialisierte Chips und viel Energie. Forschung und Industrie arbeiten daher weltweit an neuen Computerarchitekturen, die leistungsfähig sind und zugleich deutlich effizienter rechnen. Neuromorphes Computing, das von Funktionsprinzipien biologischer Nervenzellen inspiriert ist, gilt dabei als vielversprechender Ansatz.
Das Potenzial verdeutlicht das menschliche Gehirn. Es bewältigt hochkomplexe Aufgaben mit einem Energieverbrauch von nur etwa 20 bis 30 Watt. Neuromorphe Systeme sollen die Prinzipien dahinter nutzbar machen – etwa für Robotik, Sensorik, Medizintechnik, autonome Systeme und künftige KI-Hardware.
Europa ist in diesem Feld gut aufgestellt. Universitäten, Forschungszentren und Industriepartner arbeiten seit Jahren an neuartigen Materialien, Bauelementen, Algorithmen und Architekturen. Initiativen wie das Human Brain Project oder EBRAINS haben Grundlagen geschaffen. Dennoch blieb die Landschaft fragmentiert: Neurowissenschaft, Mikroelektronik, Informatik und Materialforschung arbeiteten oft nebeneinander; gemeinsame Standards, Benchmarks und abgestimmte Strategien stehen bislang noch weitgehend aus.
Hier setzt die neue COST-Action CA25118 „European Network for NeuroMorphic Computing“ (EuroNMC) an. Sie soll die europäische Forschung enger vernetzen und Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette bündeln – von biologisch inspirierten Modellen über Hardware und Software bis zu Anwendungen und industrieller Nutzung. Dieses Ziel haben 139 Forschende aus der Materialforschung, Engineering, Hochleistungsrechnen, Gehirn-inspirierte KI, und Neurowissenschaft in 80 Einrichtungen in 24 europäischen Ländern in einem Memorandum of Understanding festgehalten.
Die Initiative wurde maßgeblich vom Forschungszentrum Jülich angestoßen. Beteiligt sind Forschende zahlreicher europäischer Einrichtungen, darunter die Université Paris-Saclay/CNRS, die University of Twente, die ETH Zürich, die Universität Wien, das Cyprus Institute, die Universität Sevilla (IMSE-CNM/CSIC) und die Norwegian University of Life Sciences. Gemeinsam decken sie zentrale Bereiche des neuromorphen Computings ab – von neuartigen Speicherbauelementen und Chipdesign über KI-Algorithmen bis zu neurowissenschaftlichen Modellen.
COST, die European Cooperation in Science and Technology, fördert interdisziplinäre Forschungsnetzwerke, sogenannte COST Actions. Sie finanzieren in der Regel nicht die Forschung selbst, sondern vor allem Austausch und Vernetzung über Länder- und Fachgrenzen hinweg – etwa durch Workshops, Trainings, Forschungsaufenthalte und Konferenzen. Im Mai 2026 wurden 80 neue COST Actions bewilligt; die Nachfrage war groß, nur 7 Prozent der Einreichungen erhielten eine Förderung.
Wer die Zukunft des neuromorphen Computings in Europa mitgestalten möchte, ist herzlich eingeladen, Teil der COST-Action EuroNMC zu werden und sich mit führenden Expertinnen und Experten zu vernetzen.
https://www.cost.eu/actions/CA25118/
Group Leader - Modeling and simulation of novel electronic devices