Vom Jülicher Projekt zum bibliothekarischen Grundwissen

Was ist Open Access? l Interview l Kontakt

16. Juli 2026

Der Open Access Monitor wird in der neuen Auflage des etablierten Handbuchs „Bibliothekarisches Grundwissen“ vorgestellt. Die Aufnahme unterstreicht seine Bedeutung für wissenschaftliche Bibliotheken und für den Wandel des wissenschaftlichen Publizierens.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen möglichst vielen Menschen zugänglich sein – nicht nur jenen, die über eine gut ausgestattete Bibliothek oder ein kostenpflichtiges Abonnement verfügen. Genau das ist der Grundgedanke von Open Access: Wissenschaftliche Veröffentlichungen wie Fachartikel oder Forschungsberichte stehen online frei zur Verfügung und können ohne Bezahlschranke gelesen und genutzt werden.

Open Access soll den Austausch von Wissen beschleunigen, Forschung sichtbarer machen und den Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen verbessern. Davon profitieren nicht nur Forschende, sondern auch Studierende, Unternehmen, Medien, Bildungseinrichtungen und die interessierte Öffentlichkeit.

Der Wandel wird messbar

Doch wie offen ist das wissenschaftliche Publikationssystem tatsächlich? Wie viele Veröffentlichungen sind frei zugänglich? Welche Publikationsmodelle setzen sich durch – und welche Kosten entstehen dabei?

Antworten auf solche Fragen liefert der Open Access Monitor. Das von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich entwickelte Angebot führt Publikations- und Kostendaten zusammen und bereitet sie für Auswertungen auf. So lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wie hoch der Open-Access-Anteil einer wissenschaftlichen Einrichtung ist, bei welchen Verlagen veröffentlicht wird und wie sich Ausgaben für das Lesen und Publizieren wissenschaftlicher Beiträge entwickeln.

Der Monitor schafft damit eine belastbare Datengrundlage für Bibliotheken, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftspolitische Entscheidungen. Er macht sichtbar, wie weit die Open-Access-Transformation fortgeschritten ist und an welchen Stellen weiterhin Handlungsbedarf besteht.

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Eine Person sieht ein Dokument an, das von einem Vorhängeschloss verschlossen wird, gefolgt von einem Pfeil zu mehreren Personen, einem Kreislaufsymbol, Büchern, einer Glühbirne, einem Laptop mit Diagrammen, einem Dokument, Münzen und einem weiteren Pfeil. (Mistral: Mistral Medium 3.5, 2026-07-15)

Ein Werkzeug für die bibliothekarische Praxis

Was als Projekt der Jülicher Zentralbibliothek begann, gehört inzwischen zum Werkzeugkasten wissenschaftlicher Bibliotheken: Der Open Access Monitor hat Eingang in die zehnte, vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage des Handbuchs „Bibliothekarisches Grundwissen“ gefunden.

Das seit 1974 erscheinende Grundlagenwerk führt in zentrale Aufgaben, Strukturen und Arbeitsfelder des Bibliothekswesens ein. Es richtet sich insbesondere an Menschen in Ausbildung und Studium sowie an Beschäftigte in der bibliothekarischen Praxis.

Dass der Open Access Monitor darin behandelt wird, zeigt: Datenbasiertes Open-Access-Monitoring ist kein Randthema mehr, sondern gehört zunehmend zum Grundwissen moderner Bibliotheksarbeit.

Anerkennung für nachhaltigen Wissenstransfer

Die Aufnahme in das Handbuch ist daher mehr als eine Erwähnung in der Fachliteratur. Sie steht für die dauerhafte Verankerung eines in Jülich entwickelten Angebots in der bibliothekarischen Praxis.

Der Open Access Monitor trägt dazu bei, den Wandel des wissenschaftlichen Publizierens transparent und steuerbar zu machen. Seine Berücksichtigung in einem bibliothekarischen Grundlagenwerk zeigt zugleich, wie aus einem zeitlich begrenzten Projekt eine überregional relevante Informationsinfrastruktur entstehen kann.

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Ich bezeichne den Monitor gerne als „unverzichtbare bibliothekarische Infrastruktur“. Die Erwähnung im Handbuch „Bibliothekarisches Grundwissen“ sagt mir, dass diese Einschätzung zutrifft.

Interview mit Dr. Bernhard Mittermaier, Leiter der Zentralbibliothek (ZB) des Forschungszentrums Jülich

Warum ist es wichtig, die Entwicklung von Open Access systematisch zu beobachten und nicht nur einzelne Publikationszahlen zu betrachten?

Hunderte wissenschaftliche Einrichtungen und Wissenschaftsorganisationen (darunter die Helmholtz-Gemeinschaft) haben 2003 in der „Berlin Declaration“ den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen gefordert; 2015 wurde dies um die Forderung ergänzt, die Mehrzahl der wissenschaftlichen Zeitschriften in den Open Access zu transformieren. Während die erste Forderung für Publikationen aus Deutschland zu etwa 70% umgesetzt ist (Forschungszentrum Jülich: 90%), hat die zweite Forderung noch deutlich „Luft nach oben“: Nach wie vor erscheinen etwa zwei Drittel der Zeitschriften im Subskriptionsmodell, sie sind also nicht vollständig frei zugänglich.

Welche konkreten Entscheidungen können Bibliotheken und Forschungseinrichtungen mithilfe des Open Access Monitors besser treffen?

Der ursprüngliche Ansatz war, Einrichtungen in den Stand zu versetzen, die Entwicklung ihrer Open Access-Quote über einen gewissen Zeitraum zu verfolgen. Dafür wird der OAM auch genutzt, aber auch noch für vieles mehr: Verlage haben ihn benutzt, um für die Konzeption eines Open Access-Angebots zu eruieren, woher eigentlich ihre Autoren kommen, Open Access-Büros der Bundesländer benutzen ihn, um bundeslandspezifische Auswertungen präsentieren zu können, Bibliotheken benutzen ihn für die Antragsstellung im DFG-programm „Open Access Publikationskosten“, und für manch kleine Einrichtung dient er auch schlichtweg als Bibliographie der eigenen Publikationen.

Welche Entwicklungen beim wissenschaftlichen Publizieren lassen sich derzeit besonders deutlich im Monitor erkennen?

Über rund 20 Jahre stieg der Anteil von Gold Open Access-Zeitschriften kontinuierlich an, von 6% in 2010 zu 31% in 2022. Korrespondierend dazu sank der Anteil der Subskriptionszeitschriften von 93% auf 67%. (Die Differenz sind Diamond OA Zeitschriften, bei denen weder für das Lesen noch für das Schreiben bezahlt werden muss). Seit 2022 sind die Zahlen aber wie festgenagelt. Wenn sich die Wissenschaftsgemeinschaft damit nicht abfinden will, muss sie aktiv werden – „von selbst“ passiert gerade nichts mehr. Sie muss das Thema entweder zum zentralen Punkt bei Verhandlungen machen oder selbst Alternativen aufbauen (Diamond Open Access).

Wo liegen aus Ihrer Sicht noch die größten Hindernisse auf dem Weg zu einem offenen und zugleich finanzierbaren Publikationssystem?

Subskriptionszeitschriften (mit Hybrid-Option) sind für Verlage insgesamt finanziell lukrativer als Gold Open Access Zeitschriften. Hinzu kommt, dass die zusätzliche Monetarisierungsmöglichkeit der Inhalte für KI-Anwendungen bei Closed Access besser ist als bei Open Access. Das größte Hindernis ist somit der mangelnde Wille der Verlage.

Was sagt die Aufnahme in das Handbuch „Bibliothekarisches Grundwissen“ über die fachliche Bedeutung des Monitors aus?

In Förderanträgen der ZB bei DFG und BMFTR, bei denen der OAM meist eine Rolle spielt, bezeichne ich ihn gerne als „unverzichtbare bibliothekarische Infrastruktur“. Die Erwähnung im Handbuch sagt mir, dass diese Einschätzung zutrifft. Um abschließend noch eine weitere „ehrende Erwähnung“ zu nennen: Im ersten deutsche Staatenbericht (2025) zur UNESCO-Empfehlung zu Open Science werden in Beantwortung der Frage „Are there national or institutional open science infrastructures in your country?“ drei Infrastrukturen aus Jülich genannt: JUWELS, JUPITER und der Open Access Monitor.

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Kontakt

Dr. Bernhard Mittermaier

Leiter der Zentralbibliothek

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+49 2461/61-3013
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Letzte Änderung: 22.07.2026