Welt-Alzheimertag: Was wir gegen Demenz tun können

18. September 2026

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Prof. Svenja Caspers erforscht, wie das menschliche Gehirn altert – und warum manche Menschen bis ins hohe Alter geistig fit bleiben, während andere deutlich früher kognitive Einschränkungen entwickeln.

Ein älterer Mann mit Bart und roter Jacke dehnt seine Arme vor der Brust, während im Hintergrund mehrere Personen auf einer Wiese Übungen machen.
Prävention kann dazu beitragen, eine Erkrankung hinauszuzögern.

Im Interview erklärt die Neurowissenschaftlerin vom Forschungszentrum Jülich und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wie sich das Risiko für eine Demenzerkrankung schon heute beeinflussen lässt und warum Gesundheitsdaten künftig eine entscheidende Rolle für eine gezieltere Demenzprävention spielen könnten.

Eine Person mit kurzen Haaren trägt eine schwarze Jacke über einem orangefarbenen Oberteil und eine goldene Kette. (Mistral: Mistral Medium 3.5, 2026-09-18)
Prof. Svenja Caspers

Frau Prof. Caspers, viele Menschen halten eine Demenzerkrankung im Alter für nahezu unvermeidlich. Stimmt das?

Nein. Natürlich lässt sich nicht jede Demenzerkrankung verhindern. Aber wir wissen inzwischen, dass eine Reihe von beeinflussbaren Faktoren das Erkrankungsrisiko mitbestimmt. Dazu gehören zum Beispiel Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Rauchen, hoher Cholesterinspiegel oder soziale Isolation. Auch Bildung und geistige Aktivität spielen eine Rolle. Prävention kann deshalb dazu beitragen, eine Erkrankung hinauszuzögern oder ihren Verlauf zu verlangsamen. Entscheidend ist: Unser Gehirn ist auch im höheren Alter veränderbar – und jedes Gehirn altert individuell.

Sie setzen sich für eine „datengetriebene Demenzprävention“ ein. Was ist damit gemeint?

Heute können wir allgemein empfehlen, sich ausreichend zu bewegen, nicht zu rauchen oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck behandeln zu lassen. In Zukunft möchten wir wesentlich genauer sagen können, welche Maßnahmen für einen bestimmten Menschen besonders wichtig sind. Dafür müssen wir unterschiedliche Informationen zusammenbringen – etwa Daten aus Langzeitstudien, medizinische Untersuchungen und möglicherweise auch digitale Biomarker aus dem Alltag. Mit solchen Daten und modernen Analysemethoden könnten wir individuelle Risikoprofile entwickeln und Prävention gezielter gestalten. Genau darin liegt ein großes Potenzial.

Woran arbeiten Sie dazu am Forschungszentrum Jülich und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf?

Mich interessiert vor allem die Frage, warum Gehirne so unterschiedlich altern. Wir untersuchen große Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel in Kohortenstudien mit vielen tausenden Probandinnen und Probanden, und verbinden Informationen über die Struktur und Vernetzung des Gehirns mit Faktoren wie Lebensstil, Umwelt und Genetik. Solche großen Datensätze ermöglichen es uns, Muster zu erkennen, die man bei einzelnen Personen nicht sehen würde. Auf Basis dieser Muster wollen wir langfristig besser verstehen, was ein Gehirn widerstandsfähig macht und wie sich dieses Wissen für eine individuellere Prävention von Demenzerkrankungen nutzen lässt.

Zur Person: Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Svenja Caspers leitet die Arbeitsgruppe „Konnektivität“ am Institut für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich (INM-1). Zugleich ist sie Direktorin des Instituts für Anatomie I am Universitätsklinikum Düsseldorf. Sie ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und leitete die gemeinsame Arbeitsgruppe dieser beiden Akademien zusammen mit der Akademienunion zur „Datengetriebenen Demenzprävention“.

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Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Svenja Caspers

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    "Daten gegen Demenz", Interview für die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom 27. März 2026

    Letzte Änderung: 18.09.2026