Die Rohstoff-Retterin
Pioniere – Monica Keszler
Monica Keszler verwandelt komplexe industrielle Abfälle in neue High-Tech-Bauteile. Für ihren Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft erhielt die Jülicher Forscherin den Helmholtz-Promotionspreis 2025.
Juni 2026
Ressourcen retten: Von „hoffnungslosen Fällen“ zu High-Tech-Bauteilen
Monica Keszler aus dem Institute of Fusion Energy and Nuclear Waste Management – Plasmaphysik (IFN-1) verwandelt komplexe industrielle Abfälle in neue High-Tech-Bauteile. Für ihren Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft erhielt die Jülicher Forscherin den Helmholtz-Promotionspreis 2025.
Bei industriellen Prozessen in der Praxis landet der gesamte Abfall oft in einem Eimer. Wenn eine Maschine am Tag fünf verschiedene Stahlsorten bearbeitet, ist der Schrott im Eimer am Abend ein Mix, für den man kaum einen stabilen Recyclingprozess planen kann.
Dazu kommt der Aufwand: Verunreinigungen etwa durch Keramik oder andere Nichtmetalle zu entfernen, kostet Energie und Geld. Bei Gold lohnt sich das, bei billigem Stahl oder winzigen, beschichteten Magneten in Smartphones kaum. Heute ist es oft billiger, neu zu kaufen, statt mühsam aufzubereiten.
Ich nutze eine spezielle Art des Sinterns, das feldunterstützte Sintern. Normalerweise ist Sintern wie Kekse backen: Die Hitze muss von außen mühsam nach innen wandern. Wir legen Druck an und leiten Elektrizität direkt durch das Material. Das funktioniert wie ein Turbo-Backofen, der den Abfall von innen und außen gleichzeitig backt. Statt Stunden oder Tage zu warten, sind wir in Minuten fertig. So entstehen extrem feine Strukturen, die das Metall besonders belastbar machen.
Beim Recycling-Stahl gab es einen anderen Aha-Effekt: als mir eine frisch gesinterte Platte versehentlich aus der Hand rutschte und auf den Boden knallte. Zu unserer Überraschung und Erleichterung war sie nicht zerbrochen. Der Stahl war stabiler als gedacht.
Es ist ein großartiges Gefühl, wenn sich meine Proben von der Größe einer winzigen Münze zu lebensgroßen Schneidwerkzeugen oder Stabmagneten entwickeln. Wenn man ein Bauteil in der Hand hält oder sieht, wie es in einer echten Maschine arbeitet, ist die Wissenschaft nicht mehr hypothetisch. In diesem Moment wird sie für jeden, der von außen zuschaut, plötzlich real und greifbar.
Oft wird das „End-of-Life“ erst zum Thema, wenn die volle Produktion läuft und plötzlich tonnenweise Material irgendwohin muss. Das ist ein wirtschaftliches Problem. Wir müssen die Produzenten in die Pflicht nehmen, früh in die Entsorgungsforschung zu investieren, statt alles nur auf Deponien zu kippen. Wir müssen stärker auf eine kreislauforientierte Wirtschaft setzen. Und wenn es zu teuer sein sollte, ein Material vollkommen rein wiederzugewinnen: Vielleicht muss es das gar nicht sein, vielleicht reicht es, wenn recyceltes Material nur zu 99 oder sogar nur noch zu 90 Prozent rein ist.
Zwei Helmholtz-Promotionspreise gehen an Jülicher Forscherinnen
Bildnachweis: Karl-Heinz Rauwald
AUSGEZEICHNETE INNOVATIONEN
7EX gewinnt JUICE Innovation Contest 2025
Das Team von 7EX sicherte sich mit einer innovativen Lösung für nachhaltiges Lithiumrecycling den ersten Platz beim JUICE Innovation Contest 2025. Mit ihrem elektrochemischen Verfahren extrahieren sie hochreines Lithium ohne zusätzliche Chemikalien aus Altbatterien und Recyclingmaterialien. Nach der Patentanmeldung planen Andreas Kuhlmann und Marten Huck, die Technologie durch die Entwicklung modularer, containerbasierter Anlagen zu skalieren. Langfristiges Ziel ist es, diese flexiblen Einheiten mit mehreren Stack-Reaktoren direkt dort zu platzieren, wo der Batterieschrott anfällt.
Nachhaltiges Lithiumrecycling
Jülicher Quantentechnologie-Projekt gewinnt Start-up-Wettbewerb in Berlin
Das Jülicher Projekt LoCo Quantum hat den ersten Platz beim Built in Germany Startup Contest auf dem Venture Vibe Deep Tech Summit in Berlin gewonnen. Das Team entwickelt eine cloudbasierte Low-Code-Plattform, mit der Unternehmen und Forschungseinrichtungen Quantenalgorithmen auch ohne tiefgehende Programmier- oder Quantencomputing-Kenntnisse entwickeln und testen können. Mit der Auszeichnung erhält LoCo Quantum Rückenwind auf dem Weg zur Ausgründung und will den Zugang zu Quantencomputing für Industrie und Wissenschaft deutlich erleichtern.
Auszeichnung für Jülicher Quantentechnologie
AiML erreicht Top 3 im ZEBRA Accelerator
Das Jülicher Ausgründungsvorhaben AiML hat beim ZEBRA Accelerator den dritten Platz belegt. Das Team entwickelt einen neuromorphen Silizium-Prozessor, der große KI-Sprachmodelle direkt auf Edge-Geräten ausführen kann. Mit einer innovativen Chiparchitektur reduziert die Technologie den Rechen- und Speicherbedarf erheblich und ermöglicht energieeffiziente KI-Anwendungen in Bereichen wie Industrie, Automobil und Unterhaltungselektronik.
AiML gewinnt Platz 3 beim ZEBRA Accelerator
Arindam Paul gewinnt 3. Platz beim HHU Ideenwettbewerb
JUICE-Alumni Arindam Paul wurde beim 15. HHU Ideenwettbewerb 2026 mit dem Best Idea Award in der Kategorie “Forschende“ ausgezeichnet. Seine aus der Promotionsforschung entstandene Gründungsidee basiert auf der Kombination eines genetisch veränderten therapeutischen Enzyms mit einer gezielten, bildgesteuerten Wirkstoffabreichung. Dieser Ansatz soll eine lokalisierte, minimalinvasive Behandlung der Alzheimer-Erkrankung ermöglichen.
Arindam Paul gewinnt 3. Platz beim HHU IdeenwettbewerbNeuigkeiten, Erfolgsgeschichten und Innovationen am FZ Jülich
Perspektiven: Die neue Ausgabe
Manche Diagnosen verändern den Blick auf das eigene Leben. Was folgt, ist sind viele offene Fragen.
In dieser Ausgabe erzählen wir von Menschen, die mit ihrer Forschung neue Ansätze gegen Krebs, chronische Schmerzen und andere Erkrankungen entwickeln. Ihre Ergebnisse liefern neue Antworten, die den Blick auf viele Diagnosen grundlegend verändern könnten.







