Im Jahr 1985 war die Wissenschaft sehr überrascht über die Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis, das niemand so vorausgesagt hatte. Innerhalb weniger Jahre wurde im Prinzip die wissenschaftliche Erklärung für die Bildung des Ozonlochs gefunden. Das Ozonloch wird durch die anthropogenen Emissionen von Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen (FCKWs) verursacht. Sehr schnell wurde mit dem Montrealer Protokoll ein wirksamer internationaler Vertrag geschlossen, um die FCKW-Emissionen auf null herunterzufahren.
Durch das im Montrealer Protokoll beschlossene Verbot der FCKWs erwartet man eine Erholung so etwa um das Jahr 2060 und man sieht schon erste Anzeichen dieser Erholung. Die wesentlichen Aspekte der stratosphärischen Chemie scheinen verstanden und die Modelle können eigentlich recht gut das Ozonloch beschreiben, das sich jedes Jahr im antarktischen Frühling wieder bildet.
Jedoch wurde im Jahr 2012 in einer Doktorarbeit am FZJ festgestellt, dass sich die zeitliche Entwicklung von Chlorwasserstoff (HCl) über der Antarktis am Beginn des Winters deutlich von den Beobachtungen unterscheidet. Diese Diskrepanz ist in weiteren gängigen Atmosphären-Modellen auch vorhanden, aber die Ursache dafür war seitdem lange nicht klar.
In seinem Vortrag erläutert Dr. Jens-Uwe Grooß vom ICE-4 zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen zur Bildung des Ozonlochs. Ferner zeigte er die Resultate der aktuellen Studie (Comm. Earth & Env., 6, 496, doi:10.1038/s43247-025-02499-4) vor. Hier wurde beleuchtet, welche chemischen Reaktionen in den Modellen fehlen könnten, um diese Diskrepanz zu korrigieren. Es wurde weiterhin gezeigt, welchen Einfluss diese zusätzlichen Reaktionen auf das Ozonloch hätten.
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